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Hingabe bis zum letzten zarten Ton
Katharina Debus und Hanns Höhn glückt ein Wagnis famos gut.
VON MICHAEL SCHEINER, MZ

REGENSBURG .

Welcher Ozean an Gefühlen. Nuancen, Klänge, Aussparungen und kopfüber ins Volle. Eine Breitseite für die Kunst des Duos. „FrauContraBass“, keine Frau, die den Kon-trabass spielt, sondern ein Mann (Bass) und eine Frau (Gesang), die mit minimalsten Mitteln hinreißend großartige Musik produzieren. Wenige Töne genügen, melancholisch-zarte Berührung, der Bass mehr angedeutet als knackig gezupft, und das Publikum im – gegen Ende – krachend voll besetzten Thon-Dittmer-Hof ist mucksmäuschenstill, ganz Ohr. Da kommen die zartbitteren „Angel Eyes“ als Zugabe, gesungen schon von Ella Fitzgerald, Barry Manilow und Sting. Und wir wissen am Ende alle, diese Sehnsucht läuft ins Leere, muss aus dem Blickfeld verschwinden – „Excuse me while I disappear, Angel eyes“.

Das Rätsel der Kunst

Unweigerlich fragt man sich im Laufe dieser großartigen Performance, wie machen die das? Wie gelingt es Katharina Debus und Hanns Höhn, den großen Hof mit seinem italienisch-prachtvollen Flair in einen intimen Rahmen zu verwandeln? So intim, dass man sicher glaubt, diese Sängerin spricht jetzt nur einen selbst an – „Thinkin’ of you“ – es ist dein Song, „Your song“ von Elton John. Irgendwann kommt man auch dahinter, sei es nur ein Stück weit. Debus und Höhn machen aus an sich schon wunderschönen Jazzstandards, aus populären Soul- und Popsongs, Megahits zum Teil, richtig kleine Kunstwerke. Indem sie diese auf ihre Essenz reduzieren und dann ganz eigene, in scheinbar unendlich vielen Nuancen schimmernde und schillernde Perlen daraus formen. Spannend, eindringlich, zart und hingebungsvoll bis in den letzten Ton.

Das alleine würde aber den überwältigenden Erfolg des Berliner-Mainzer Gespanns nicht ausreichend erklären. Es ist die gesamte Performance, Körper, Bewegung, Blicke und dosiert eingesetzte, wenige Gesten, die letztlich (fast) soviel sagen wie „The Joker“ von der Steve Miller Band, Michael Jacksons Megahit „Billy Jean“ oder Udo Lindenbergs falsche Behauptung „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr“.

Gewagte Freiheit

„Beide Instrumente sind hier im Grunde nackt, geben sich gegenseitig Schutz und finden darüber zu einer Freiheit, die zu jedem Zeitpunkt ein Wagnis darstellt“ schrieb das Magazin Jazzpodium. Dieses Wagnis ist so famos geglückt, dass man hinknien und dem Jazzgott und der Stadt Regensburg danken möchte, dass in diesen klammen Zeiten ein Ereignis wie das Jazz-Weekend immer noch möglich gemacht wird.

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